In der Schützenstraße in Tuttlingen ist ein neues geistliches Zuhause entstanden: Nach zweijähriger Bauzeit konnte die Gemeinde Tuttlingen im August 2025 voller Dankbarkeit und Freude ihr neues Kirchengebäude einweihen.
Am 10. August 2025 versammelten sich zahlreiche Gläubige, um gemeinsam mit Bezirksapostel Michael Ehrich – Kirchenpräsident des Neuapostolischen Kirche Süddeutschland und Bauherr des Projekts – den ersten Gottesdienst im neuen Gotteshaus zu feiern. Begleitet wurde er von Apostel Martin Schnaufer und Bischof Urs Heiniger aus dem Kirchenbezirk Freiburg/Tübingen. Für alle, die nicht vor Ort dabei sein konnten, wurde der Festgottesdienst per Livestream in den gesamten Kirchenbezirk Tuttlingen übertragen.
Ein heiliger Ort
Zu Beginn der Weihe erinnerte Bezirksapostel Ehrich an die bewegte Geschichte der Tuttlinger Gemeinde: von ihrer Gründung im Jahr 1904, über die plötzliche Schließung des alten Kirchengebäudes 2021 aufgrund akuter Einsturzgefahr, bis hin zur Profanierung des vertrauten Gotteshauses im Mai 2023. Umso größer war nun die Freude, in einem neuen, sicheren und lichtdurchfluteten Kirchenraum einen Ort der Geborgenheit und des Glaubens gefunden zu haben.
In seinem Weihegebet wünschte der Bezirksapostel: „Gott möge diesem Haus Schutz und Segen geben.“ Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes stellte er die Frage, was eine Einweihung bedeutet. Der Ort, an dem der Altar steht, sei ein heiliger Ort. Die Einweihung sei nicht einer bestimmten Tradition geschuldet, sondern sie sei ein bewusster Akt, das Haus zu Gottes Lob und Ehre zu weihen. Der Altar sei dabei nicht nur ein Gegenstand aus Stein und Holz, sondern das Sinnbild der Gegenwart des Opfers Jesu Christi. Und das „24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche“.
Der Predigt lag Psalm 127, Vers 1 zugrunde: „Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Der Bezirksapostel betonte, dass hier nicht ein physisches Gebäude gemeint sei, sondern zum einen das Werk Gottes in seiner Gesamtheit und zum anderen die eigene Seele. Während das Irdische vergänglich sei, bleibe das ewige Haus bestehen und bedürfe ständiger Pflege.
Architektur und Besonderheiten des Neubaus
Das neue Kirchengebäude wurde auf dem Grundstück des vorherigen Gotteshauses errichtet. Aufgrund der dreieckigen Grundstücksform und des ausgeprägten Geländeverlaufs stellte das Bauvorhaben besondere architektonische Anforderungen. Der Höhenunterschied wird durch ein nach Osten ansteigendes Dach aufgegriffen, das an seiner höchsten Stelle ein großes Fenster mit einer symbolisierten Sonnendarstellung aufweist – eine gestalterische Referenz an die Sonnenfenster des alten Kirchengebäudes.
Im Inneren ist der Kirchensaal auf dieses Fenster sowie auf die Spitze des Grundstücks ausgerichtet. An diesem zentralen Punkt sind der Altar und ein schlichtes Kreuz angeordnet. Hier wird deutlich, was das Bauwerk im Kern ist: ein Haus der Begegnung mit Gott.
Nachhaltigkeit und Verbundenheit
Das neue Gebäude verbindet traditionelle Elemente mit modernen und nachhaltigen Baukonzepten. So wurde das Material des abgerissenen Altbaus vor Ort aufbereitet und als Unterbau für das neue Fundament verwendet. Am ehemaligen Standort des Altars – heute Teil des Vorplatzes – wurde eine Robinie gepflanzt, die für ihre Robustheit und ein schnelles Wachstum bekannt ist.
Der Neubau folgt den Prinzipien des ressourcenschonenden Bauens mit langlebigen Materialien und berücksichtigt sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Nachhaltigkeit.
Der Kirchenraum bietet 140 Sitzplätze, drei angrenzende Nebenräume ermöglichen bei Bedarf eine Erweiterung auf bis zu 220 Plätze. Ergänzt wird das Gebäude durch einen Vorplatz, sowie 20 Stellplätze auf dem angrenzenden Parkplatz. Der Bau wurde von Muffler Architekten PartG mbB, Freie Architekten BDA/DWB (Tuttlingen) entworfen, sowie in der Bauphase überwacht und mit viel Feingefühl in der Rücksprache mit den Verantwortlichen koordiniert. Sehr zum Segen der Geschwister, die sich in der neuen Kirche sichtlich wohlfühlen.
Aber nicht nur die Kirche, sondern auch die Adresse hat sich verändert:
Um die Anfahrt zum neuen Parkplatz klar zu regeln, bekam die Neuapostolische Kirche Tuttlingen eine neue Adresse. Aus der vertrauten "Uhlandstraße 24" wurde "Schützenstraße 55" - eine neue Adresse für ein Kirchengebäude, welches dennoch fest an seinem alten Platz verwurzelt ist.
Ein Zuhause für die Gemeinde
Mit der Einweihung hat die Gemeinde Tuttlingen nicht nur ein neues Gebäude erhalten, sondern vor allem ein neues Zuhause für Glauben, Gemeinschaft und Hoffnung. Ein Haus, das über Generationen hinweg Schutz, Trost und Freude schenken soll – und in dem das Licht und der Segen Gottes Tag für Tag spürbar sein darf.